Miss Eva A. Kol macht Stand-up dort, wo andere nervös werden. Sie ist Comedian, Autorin, Schauspielerin – und ist gesegnet mit einem „niederschmetternden Mund“, wie ihr Vater es so treffend formuliert. Geboren in Sofia, aufgewachsen in Österreich, spricht sie auf der Bühne über all das, worüber man lieber schweigt – und bringt das Publikum dabei zum Lachen, Nachdenken oder kurz- kollektiv-den-Atem-Anhalten.
Kannst du dich kurz vorstellen?
Mein Künstlername ist Miss Eva A. Kol. Das „Kol“ ist mir sehr wichtig – für mich, meine Großmutter und meine Familie. Im Bulgarischen bedeutet es „Stab“, in der hebräischen Bedeutung heißt es „Stimme“, und das passt sehr gut zu mir.
Ich bin Stand-up-Comedian, Schriftstellerin und Schauspielerin.
Geboren wurde ich in Sofia, Bulgarien. Mit elf Jahren ist meine Familie nach Österreich ausgewandert, genauer gesagt nach Kindberg in der Obersteiermark. Insgesamt bin ich in meinem Leben über 18 Mal umgezogen.
Eva, wann hast du zuletzt auf der Bühne gemerkt: „Oh, das darf ich jetzt nicht sagen“?
Ich weiß zum Glück sehr genau, welche Themen ich bringen kann und welche nicht – und genau diese Grenze macht mir am meisten Spaß.
Ich weiß, wie ich mein Publikum einschätzen muss.
„Meine Themen bewegen sich auf einer feinen Linie zwischen eleganter Geschmacklosigkeit und gefährlichem Tiefgang.“
Miss Eva A. Kol
Wie reagiert das Publikum auf vermeintlich unpassende Witze?
Ehrlichkeit ist nicht unpassend – sie ist ungewöhnlich. Aber es gibt Momente, in denen man eine Grenze spürt – dann entsteht eine sehr dichte, dicke Stille. Und die liebe ich. In diesen Momenten beginnt die Kommunikation mit dem Publikum erst richtig.
Ich trage nichts einfach vor, ich interagiere aktiv. Mich interessiert, wie Menschen reagieren und fühlen.
„Es geht mir nicht darum, mich zu präsentieren, sondern eine Geschichte zu erzählen und zu beobachten, wie unterschiedlich das Publikum darauf reagiert.“
Miss Eva A. Kol
Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Gefährlich ehrlich. (Lacht)
Mein Vater nennt mich liebevoll den
„niederschmetternden Mund“
Miss Kol‘s Vater

Hast du jemals einen guten Witz aus Angst vor Reaktionen nicht erzählt?
Nein. Ich spreche hauptsächlich über persönliche Erlebnisse. Selbstzensur wäre für mich Selbstverrat – und das praktiziere ich nicht.
Was nicht authentisch ist oder womit ich mich nicht identifizieren kann, gehört nicht auf meine Bühne.
Wer entscheidet, was noch lustig ist?
Die Künstler:innen selbst.
Ich glaube, was Künstler:innen ertragen können, kann auch das Publikum ertragen. Ich bin kein Fan von Einheitsbrei. Originalität ist mein Nordstern.
„Humor formt Kultur und Kultur formt Humor – das ist eine Wechselwirkung.“
Miss Eva A. Kol
Welche Rolle spielen soziale Medien für Stand-up-Comedy?
Eine essentielle. Sie geben Sichtbarkeit und Unabhängigkeit von Gatekeepern. Heute kann man sein Publikum direkt finden – das ist eine riesige Chance.
Welche positiven oder lustigen Schlagzeilen würdest du auf ein Titelblatt setzen?
Frauen haben weltweit Autonomie!
Das Matriarchat ist zurück!
Senf wurde offiziell als Modefarbe verbannt!
Bewertungs-App für Ex-Freunde erleichtert Dating!
Gibt es politische Themen, bei denen du bewusst zynisch wirst?
Politiker machen Comedians aktuell die größte Konkurrenz – und das stört mich.
„Sie sollen ihren Job machen und uns die Narrenecke überlassen.“
Miss Eva A. Kol
Hast du Angst vor politischen Gegenreaktionen?
Ich werde selten direkt politisch. Mein Humor ist sehr subtil – nicht jeder versteht ihn sofort, und das finde ich sehr angenehm.
Ist Cancel Culture eine reale Bedrohung?
Man muss zwischen Zensur und Verantwortung unterscheiden. Worte haben Macht, und mit dieser Macht geht Eigenverantwortung einher.
Man sollte reflektiert auf die Bühne gehen.
„Kunst ist nicht dazu da, das Publikum zu traumatisieren – sondern damit Menschen ihre eigenen Traumata mithilfe der Kunst verarbeiten können.“
Miss Eva A. Kol

Wie bist du zur Stand-up-Comedy gekommen?
Durch einen Traum. Ein weiß gekleideter Guru hat mir in besagtem Traum gesagt, ich solle doch Stand-up machen.
Ich habe schon als Kind Witze aus Zeitungen gesammelt, heute schreibe ich mein eigenes Material.
Dass Stand-up mein Medium ist, hat mich selbst überrascht. Ich hatte früher große Angst vor Publikum – heute liebe ich es.
Und es gibt nichts Schöneres, als wenn jemand nach einer Show sagt: „Das habe ich mir immer gedacht, aber nie laut gesagt.“
„Lachen heilt.“
Miss Eva A. Kol
Was war dein größter Erfolg?
Ich bewerte Erfolge nicht nach Größe. Mein größter persönlicher Erfolg war der Moment, in dem ich Themen ohne Bauchschmerzen aussprechen konnte – völlig frei.
Warum ist dir das Thema Gewalt an Frauen so wichtig?
Weil es eines der Themen ist, zu denen Menschen im Alltag Distanz aufbauen, während sie es gleichzeitig konsumieren – in Filmen, Büchern, Unterhaltung.
Gewalt ist nicht nur laut, sie ist oft leise und unsichtbar. Auch die systematische Unsichtbarmachung weiblicher Stimmen ist eine Form von Gewalt.
Sichtbarkeit durch Kommunikation – und deren Unterdrückung ist ebenfalls Gewalt.
„Humor ist ja auch eine Art von Aggression. Ich würde auch sagen, guter Humor ist die intelligenteste Form von Aggression.“
Miss Eva A. Kol

Frauen in der Comedy Szene – was hat sich verändert?
Frauen waren lange das Objekt von Witzen. Die Frage ist: Was passiert, wenn das Objekt selbst spricht?
Comedy ist eine junge Kunstform, aber Frauen waren historisch immer unterrepräsentiert. Die eigene Stimme zurückzuerobern, ist ein langer Prozess.
Wurdest du jemals angegriffen?
Ja – oft allein wegen meiner Präsenz oder meines Outfits.
Die falschen Ohren hören oft ohnehin nicht zu.
„Ich mache mir manchmal mehr Sorgen darüber, was ich anziehe, als über das, was ich sage.“
Miss Eva A. Kol
Wer oder was inspiriert dich?
Der Tod. Die Hoffnung. Und meine Großmutter.
Sie steht für Resilienz, Liebe und Widerstand. Trotz allem den Schmäh nicht zu verlieren – das inspiriert mich.
Und manchmal auch guter Kaffee, serviert von einem unfreundlichen Kellner in Wien.
Was würdest du Trump, Putin und Kim Jong-un sagen, wenn sie in deiner Show sitzen?
Wenn sie in meiner Show landen wollen, zahlen sie vorab mindestens den doppelten Eintritt.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Die Veröffentlichung der Englisch-Übersetzung meines ersten Romans „Die Rache der Matrjoschkas“ steht an.
Mein zweites Stand-up-Solo „#HOLYSH*T – gefährlich ehrlich“ steht in den Startlöchern.
Und Communityvise bin ich Visionärin im Aufbau des internationalen Stand-up-Comedy-Festivals „Joke Jungle“ in Graz.
Miss Kol, was finden Sie echt KUSO, also echt SCHEISSE?
Rassismus und Antisemitismus.
Aber auch verstopfte Toiletten am Neujahrstag.
Fazit der Kuso Redaktion
Kunst und „Scheiße“ gehören zusammen – wer sich ehrlich mit Gesellschaft auseinandersetzt, kommt daran nicht vorbei.
Humor ist für Miss Kol kein Eskapismus, sondern ein Mittel, um genau dort hinzuschauen, wo es wehtut – und trotzdem zu lachen.

