


Der junge Sprayer, der lieber anonym bleiben möchte, erzählt im KUSO-Interview über den Adrenalinkick beim Sprayen, warum Sprayen für ihn Freiheit bedeutet und weshalb er anderen davon abrät, es zu tun.
Was ist Graffiti?
Hip Hop! Graffiti aus meiner Sicht ist eine Mischung aus Adrenalin, Loyalität und die Liebe zu Buchstaben. Aus dem 0815 Alltagsleben auszubrechen und etwas für das Stadtbild beizutragen, was niemandem schadet. Viele verstehen unter „Graffiti“ alles was mit der Spraydose zu tun hat, aber eigentlich findet Graffiti nur im illegalen Rahmen statt. Sprich Züge, Metro, Hausfassaden, usw.
Seit wann machst du Graffiti und warum hast du wieder damit aufgehört?
Angefangen hab ich schon in meiner Jugend diverse Sachen zu taggen, zu diesem Zeitpunkt war ich aber vom richtigen Graffiti noch weit entfernt. Aber mein erstes Piece hab ich im Jahr 2009 gemacht, ich kann mich noch genau erinnern, als ob es gestern gewesen wäre.
Nachdem Graffiti ein sehr zeitintensives Hobby ist und ich im Moment andere Zukunftspläne habe, aber ich auch ruhiger geworden bin, habe ich daweil aufgehört – was nicht heißt, dass ich nicht wieder weitermachen möchte.
Wieso machst du Graffiti? Was bedeuten Graffiti für dich?
Zu meiner aktiven Zeit als Writer war es einfach der Nervenkitzel, aus der Gesellschaft auszubrechen und das mit seiner eigenen Kreativität ohne jemanden zu verletzen oder zu schaden. Es hat mich schon immer fasziniert, wenn ich Pieces gesehen hab, dass jemand rausgeht und sich einfach auf diversen Stellen verwirklicht mit dem, was er selber geschaffen hat. Graffiti bedeutet für mich Freiheit.

Ist Graffiti für dich Kunst?
Da streiten sich die Meinungen, aber aus meiner Sicht ist Graffiti keine Kunst. Kunst hat überhaupt nichts mit Stress, Adrenalin oder dergleichen zu tun. Natürlich kann man diverse Bilder als künstlerisch wertvoll betrachten, doch ich sehe es als initiatives Handeln.
Was würdest du einem Anfänger raten?
Lass es bleiben!
Wie schafft man es, nicht erwischt zu werden?
Das ist eine gute Frage! Natürlich gehört Glück dazu wie so oft im Leben aber zu 99% einfach die Vorbereitung. Wie komme ich hin ohne das mich jemand sieht, wie komme ich weg falls mich jemand erwischt, wieviel Zeit habe ich und auch einen kühlen Kopf bewahren in Situationen wo das Adrenalin durch den Körper schießt.
Sprayst du lieber legale oder illegale Wände?
Auch wenn ich es heute nicht mehr so betreibe wie früher aber definitiv illegal. Weil einfach mehr dahintersteckt, als nur das Piece, das der 0815-Bürger sieht.
Wo sprayst du am Liebsten?
Meine Lieblingsspots waren eigentlich die Stellen, wo sich keiner getraut hat sich zu verewigen. Die schon mehr Vorbereitung gebraucht haben, aber trotzdem immer funktioniert haben.
Was findest du richtig KUSO (Scheiße)?
Hab ich selber schon gemacht andere Bilder zu übermalen, es ist einfach respektlos, weil sich jemand die Mühe gemacht hat und das Risiko eingegangen ist, Probleme mit dem Staatsapparat zu haben. Und jedes Piece trägt seinen Teil zur History bei.



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